WAZ WochenDOsis

von Britta Bingmann

Am Nachmittag des 21. Mai 2026 besuchte uns die WAZ-Redakteurin Britta Bingmann. Nach mehreren Interviews mehrerer Gartenfreund*innen mit ihren Kindern ging es per pedes durch unsere Gartenanlage. Auch wurden einige Parzellen der Gartenfreund*innen besichtigt.

Hier folgt noch der Bericht von Britta Bingmann:

Kinder bevorzugt

So will der Schrebergarten 06 den Verein in die Zukunft führen

Kinder sind im Schrebergarten 06 gern gesehen. Auf den Spielplätzen und dem Trampolin gibt es keine Ruhezeiten.
© Britta Bingmann / Funke Medien NRW

Das gibt es wohl in keiner anderen Kleingartenanlage in Deutschland: eine eigene U-Bahn-Station mitten zwischen den Beeten. Und noch etwas zeichnet den Schrebergarten 06 aus: Er ist auch der älteste Gartenverein in ganz Westfalen-Lippe. 120-jähriges Bestehen wird in diesem Jahr gefeiert – und mit einer ungewöhnlichen Maßnahme sorgt sein Vorstand dafür, dass der Verein auch in den nächsten Jahren weiterhin eine Zukunft hat.

1906 wurde der Verein gegründet. „Wir sind also drei Jahre älter als der BVB“, sagt der Vorsitzende Ulrich Winden stolz. 6,7 Hektar groß ist die Anlage zwischen B1 und Märkischer Straße, also an der Grenze von Innenstadt und Hörde. Zwei Hektar davon – und damit ungewöhnlich viel – sind Gemeinschaftsflächen. Es gibt etwa zwei Spielplätze und dazu ein großes Boden-Trampolin.

Dortmunder Schrebergarten war überaltert

Das kommt nicht von ungefähr. Die 06er setzen nämlich voll auf den Nachwuchs. Wer hier eine Parzelle pachten will, hat mit Kindern besonders gute Karten. Es gibt zwei Wartelisten, auf die eine kommen nur Familien mit Kindern. Und solange auf der noch Interessenten stehen, haben die auf der anderen keine Chance. Aus gutem Grund.

Ulrich Winden ist seit zwölf Jahren Vorsitzender im Schrebergarten 06.
© Britta Bingmann / Funke Medien NRW

„Als ich vor 12 Jahren den Vorsitz übernommen habe, hatten wir keine 20 Kinder mehr im Verein“, erklärt Winden. Der Schrebergarten war überaltert. Wohl auch, weil nach dem Bau der U-Bahn 1986 gleich 40 Gärten neu vergeben worden waren: Die jungen Mitglieder von damals sind dann miteinander alt geworden.

Jetzt sind es 108 Kinder

Mit den zwei Wartelisten wollen Winden und seine Mitstreiter den Verein wieder kräftig verjüngen und damit in die Zukunft führen. Eine Idee, die offenbar funktioniert: „Inzwischen haben wir 108 Kinder in der Anlage.“ Der Altersdurchschnitt sei rundum ausgeglichen. „Und wir haben uns um etwa fünf Jahre verjüngt.“

Domi Lukaszun (li.) und Stephanie Pieper lassen sich regelmäßig ein spannendes Programm f��r die Kinder einfallen.
© Schrebergarten 06 / Funke Medien NRW

Ob das den Alteingesessenen alles so gepasst hat? Mit Kindergeschrei und Spiellärm muss jedenfalls gerechnet werden. „Achtung! Auf unseren Spielplätzen gibt es natürlich keine Ruhezeiten!“ steht sogar ausdrücklich auf der Homepage des Vereins. „Es gab bislang nie eine Beschwerde“, versichert Winden.

Junge Familien bringen sich ein

Im Gegenteil: Mit den jungen Familien sei das Engagement im Verein gewachsen. „Auch die Gemeinschaft untereinander wird wieder besser.“ Erstmals seit längerer Zeit werde es daher zum Jubiläum im Sommer auch wieder ein Kinderfest geben. „Es haben sich endlich genug Mitstreiter dafür gefunden.“

Mit Sohn Noah hatten Stefan Albaum und seine Frau gute Karten, eine Parzelle im Schrebergarten 06 in Dortmund zu bekommen. Nun will sich die Familie ein kleines Paradies schaffen. Hund Lucky gefällt es dort auch.
© Britta Bingmann / Funke Medien NRW

Einer von denen wird sicher Stefan Albaum sein. Mit seiner Frau Linda und Sohn Noah gehört er zu den Gärtnern, die ganz neu dabei sind. Der „Anfänger“ freut sich über seine Parzelle, gibt aber zu: „Es ist deutlich mehr Arbeit als gedacht.“ Sein erster Lernerfolg: Auch Schnecken lieben Zucchini-Pflänzchen. „Sie haben uns nichts übriggelassen.“

Schrebergärtnern sei zeitgemäß

Aber ist so ein Schrebergarten nicht ziemlich spießig? Albaum schüttelt den Kopf. „Gar nicht.“ Das Leben in der Natur, der Anbau von eigenem Obst und Gemüse, das sei doch vielmehr ausgesprochen zeitgemäß, da sind sich die befragten Gärtner einig. „Und hier gibt es so viele junge Familien, wir sind ein ganz moderner Verein.“

Für Boyan Langenberg und seine Tochter Greta bleiben Handy und Internet im Garten aus.
© Britta Bingmann / Funke Medien NRW

Boyan Langenberg, der mit seiner Frau und Tochter Greta seit drei Jahren eine Parzelle im Schrebergarten 06 hat, fügt noch ein weiteres Argument hinzu: „Hier können wir alle abschalten, im Garten gibt es für uns kein Internet, auch das Handy bleibt aus“, sagt er.


„Wenn ich könnte, würde ich in meiner Laube wohnen. Das ist hier wie im Urlaub.“
Isabella Thiel (Mitglied Schrebergarten 06)


Auch für die Kinder. Die grüne Oase ist ein geschützter Raum ohne Autos, hier können sich die Kleinen frei bewegen. Und Spielgefährten finden sich buchstäblich an jeder Ecke. „Da entstehen oft Freundschaften, die ein Leben lang halten“, weiß Ulrich Winden aus eigener Erfahrung.

Besonderes Programm für Kinder

Um den Nachwuchs, um den sich der Vorstand so bemüht hat, in die Gemeinschaft einzubinden, gibt es aber auch übers Jahr verteilt immer wieder besonderes Programm – von Weihnachtsbasteln und Eiersuchen bis zum Bau von Insektenhotels. „Das wird super angenommen“, sagt Organisatorin Domi Lukaszun.

Greta und Noah nicken eifrig. Ihnen gefällt es gut im Schrebergarten 06. Das Trampolin gefällt der Siebenjährigen besonders gut. „Ich helfe auch bei der Gartenarbeit mit“, versichert der Zehnjährige. „Und ich habe sogar ein eigenes Blumenbeet“, sagt Greta stolz. Domi Lukaszun, Mitglied im Vorstand vom Schrebergarten 06, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig das ist: „Denn wenn es einem hier gefällt, dann bleibt man.“

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