Fachberatung Stadtverband: Alte Tomaten- und Gemüsesorten (09.02.2018)
107!
Die Fachberatung im Februar lockte mit dem Thema "Alte Tomaten- und Gemüsesorten" 107 begeisterte Tomatenfreunde in das Verbandshaus.
Unsere Referentin Rita Breker-Kremer von der Werkhof-Gärtnerei in Grevel betreibt seit über 35 Jahren einen biologisch-dynamischen Gemüseanbau. Neben vielen anderen Gemüsen werden in der Gärtnerei über 100 (davon 60 historische) Tomatensorten und 35 Chilisorten angebaut; dabei wird großer Wert auf die Erhaltung traditioneller und vergessener Kulturpflanzen gelegt. Der Geschmack der Früchte ist unübertroffen und das Erscheinungsbild unterscheidet sich von den heute üblichen Sorten. Viele der alten Gemüse haben es verdient, in unseren Gärten einen Platz zu finden.
Die Tomate (auch Paradeiser oder Paradiesapfel genannt) gehört zur Familie der Nachtschattengewächse und stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika. Erst im späten 19. Jahrhundert kam sie nach Deutschland, zunächst unter dem Namen Goldapfel und erst nach dem 2. Weltkrieg verbreitete sie sich - dann vielfach unter holländischen Treibhäusern - als gern gegessenes Gemüse.

Tomaten sind krautige Pflanzen, einjährig und die meist rote Frucht ist eine Beere. Die Bestäubung erfolgt überwiegend durch Hummeln und Wind (Schütteln). Im professionellen Tomatenanbau in Treibhäusern werden speziell gezüchtete Hummelvölker für die Bestäubung eingesetzt.
In Deutschland gibt es 45 zugelassene Sorten, davon 10 sogenannte alte Sorten. Weltweit gibt es ca. 15.000 Sorten. Offiziell dürfen nur zugelassene Sorten als Saatgut in Verkehr gebracht werden.
Tomaten unterscheiden sich in Form, Farbe, Geschmack und Konsistenz. Sie unterteilen sich in Ampel-, Busch-, Cocktail-, Flaschen-, Fleisch-, Kirsch-, Stab-, Baum-, Strauch, Wild- und normalwüchsige Tomaten.
Die Aussaat von Tomaten erfolgt im März (auch für ungeduldige Gärtner) mit Anzuchterde. Tomaten sind Dunkelkeimer; die Samen sollten also immer gut mit Erde (ca. 5 mm) bedeckt, gründlich angegossen und gleichmäßig feucht gehalten werden. Keimlinge sind nach ca. 15 Tagen sichtbar. Sobald sich die ersten Tomatenblätter gebildet haben, sollten sie vorsichtig mit dem Stil eines Kaffeelöffels pikiert werden. Die Tomatenpflanzen können zunächst im Gewächshaus oder auf der Fensterbank weiterkultiviert werden. Erst nach den Eisheiligen werden sie mit einem Abstand von 50 cm ins Freibeet gesetzt. Dort werden sie nach einer Woche das erste Mal gedüngt (Düngung für Starkzehrer): 3 kg halbreifer Kompost/m², 80 g Horngrieß/m², bei niedrigem Kaliwert 50 bis 80 g Kaliummagnesia/m².
Wichtig für eine erfolgreiche Tomatenernte ist bei Stabtomaten das wöchentliche Ausgeizen (Herausbrechen der Seitentriebe).

Eigentlich mag keine Tomatensorte Regen; deswegen sollten Tomaten immer unter einem Dach oder im Gewächshaus (Tomatenhaus) mit guter Durchlüftung stehen. Während der ganzen Zeit ist für eine gute und kontinuierliche Bodendurchfeuchtung zu sorgen; möglichst nur morgens an den Fuß (nie übers Blatt) gießen. Dies vermindert eine Pilz- und Fäulniserkrankung. Bei ungünstigen Bedingungen leiden Tomaten häufig an folgenden Krankheiten: Kraut- und Braunfäule, Dürrfleckenkrankheit, Nährstoffmangel sowie bei Kaliummangel unter Blütenendfäule. Zu den Schädlingen zählen die weiße Fliege, Spinnmilben, Blattläuse, Raupen und die Tomatenminiermotte. Zu den Nützlingen zählen dagegen die Erzwespe, Schlupfwespen, Raubmilben, Gallmücken und Florfliegen.
F1-Hybride oder samenfest? Bei mit F1 gekennzeichnetem Saatgut handelt es sich um eine nicht samenfeste Kreuzung zweier sortenreiner Eltern. Die Nachkommen der ersten Generation (= F1) zeichnen sich durch sichere hohe Erträge, hohe Resistenz und lange Haltbarkeit aus. Eine Weiterzucht ist dagegen nicht sinnvoll, da die genetischen Eigenschaften in den Folgegenerationen (F2 usw.) in den verschiedensten Variationen auftreten. Nachteile von F1-Hybriden sind, dass die alten, samenfesten Sorten häufig verdrängt werden und die Vielfalt dadurch verloren geht. Auch ist F1-Saatgut sehr teuer.
Samenfeste Sorten sind dagegen über viele Jahre durch Kreuzung und Auswahl auf bestimmte Eigenschaften gezüchtet und damit nachbaufähig. Die Vermehrung dieses Saatguts erzeugt Pflanzen mit denselben Eigenschaften. Samenfestes Saatgut ist viel günstiger und erhält die Vielfalt (z. B. regionales Saatgut).
Rita ging dann auf sehr viele (sortenfeste und F1-) Sorten näher ein und wies dabei auf die besonderen Eigenschaften der jeweiligen Sorte hin. Der Vortrag kann in Kürze von der Internetseite der Werkhof-Gärtnerei heruntergeladen werden.
Am Ende der Veranstaltung bestand die Möglichkeit, Saatgut gegen eine kleine Spende mitzunehmen. Dazu hatte Rita über 500 Samentüten vorbereitet und etikettiert, die reißenden Absatz fanden.

Kontakt:
Die Gärtnerei
Werzenkamp 30
44329 Dortmund
Tel. 0231 9961268
E-Mail: diegaertnerei@werkhof-projekt.de
Internet: http://werkhof-diegaertnerei.de und http://www.abokiste24.de
