Fachberatung Stadtverband: Baumschnittkurs in Theorie und Praxis (15.02.2019)

Unser Referent, der Obstgehölzpfleger Jochen Helle, leitet die Arbeitsgruppe Streuobstwiesen des BUND und pflegt 3 städtische Wiesen und die Obstbäume in Derne und Kirchderne sowie eine weitere Wiese mit 100 Apfelbäumen am Rande des Rombergparks.

Der Baumschnittkurs, an dem 25 Gartenfreunde teilnehmen konnten, war vorwiegend für Gartenfachberater gedacht, die als Multiplikatoren die neu gewonnenen Erkenntnisse in ihren Gartenvereinen weitergeben sollen.

Wegen der Lichtverhältnisse ging es zunächst raus in 2 Gärten der benachbarten Gartenanlage "Friedlicher Nachbar".

Hier wurde ein Apfelbaum, der ca. 5 Jahre nicht geschnitten worden war, gründlich ausgelichtet. Hier schnitt Jochen Helle einen Großteil der verzweigten Äste ab, indem er mit jeweils einem Schnitt eine Gruppe in Form eines Geweihs entfernte. Auch nach innen wachsende, kranke, verletzte und kreuzende Äste wurden abgeschnitten.

Hier gab es viel zu schneiden.

Vereinfacht ausgedrückt wurden nur 3 Schnittarten ausgeführt:

  • Wegschneiden: hier werden Zweige oder Zweiggruppen komplett abgeschnitten.
  • Ableiten: hier wird eine (steile) Triebspitze direkt über einem (flachen) Seitentrieb abgeschnitten. Mit diesem Schnitt erreicht man auch, dass mehr Licht ins Innere gelangt. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Saftdruck beim Ableiten nicht erhöht wird, weil der neue Ast diesen aufnehmen kann. Flache Zweige bilden auch mehr Fruchtholz als steile Zweige, die überwiegend Blätter bilden.
  • Anschneiden: hier wird ein Zweig oberhalb eines Auges eingekürzt. Der entstehende Seitentrieb wird in diese Richtung wachsen. Der Schnitt sollte leicht schräg erfolgen.

Nur wenige kräftige Zweige blieben nach dem Schnitt übrig, die nach außen abgeleitet wurden.

Einen schwachwüchsigen Apfelbaum für den Schrebergarten sollte man in einer Baumschule und nicht beim Baumarkt oder Diskounter kaufen. In der Baumschule erhalten Sie die notwendige Beratung über Größe, Form, Sorte und vieles mehr.

Der ersten Schnitt, den so genannten Pflanzschnitt, erhält ein Apfelbaum vom Fachmann oder von der Fachfrau direkt nach dem Kauf. Hier werden die schwachen Triebe oder Konkurrenzzweige entfernt und die Baumspitze sowie die 3 (bis 6) späteren Leitäste (um die Hälfte bis zu 2/3) eingekürzt. Mit dem Pflanzschnitt wird die zukünftige Form festgelegt. Zu steile Leitäste können vorsichtig mit einem Kokosstrick oder speziellem, selbstauflösendem Schlauchband heruntergebunden werden.

Beim Erziehungsschnitt, der ungefähr in den ersten 3 Jahren durchgeführt wird, werden die nach innen wachsenden Steiltriebe am Astring entfernt und die Leitäste und die Stammmitte um ca. ein Drittel gekürzt. Diese Schnitte fördern Dickerwerdung, Vitalität und Stabilität. Ziel ist eine weiter wachsende Spitze, eine schön ausgeformte Krone, eine kräftige Holz- und Fruchtbildung.

Ausgewachsene Apfelbäume müssen regelmäßig, am besten einmal im Februar/März und einmal im Juli geschnitten werden, damit sie eine luftige Krone erhalten und auch die Äpfel ausreichend Sonne abbekommen. Beim Erhaltungsschnitt werden kranke und nach innen wachsende Äste ganz abgeschnitten. Stark verzweigte Astpartien und alle senkrechten Wasserschosse werden mit möglichst wenig Schnitten so abgeschnitten, dass die abgeschnitten Äste wie ein Geweih aussehen. Wenige Schnitte sind deswegen wichtig, weil jeder Schnitt zu weiterem Austrieb führt. Das Entfernen von älteren Zweigen mit altem Fruchtholz sorgt für eine Verjüngung und führt zu besseren und größeren Früchten. Länger nicht geschnittene Obstbäume müssen mit einem Verjüngungsschnitt wieder in Form gebracht werden, indem die Krone kräftig ausgelichtet wird und überalterte Fruchtäste entfernt werden. Auch hier muss darauf geachtet werden, möglichst wenig Schnitte auszuführen, damit nicht so viele Wasserschosse nachwachsen.

So geschnittene Bäume sind auch widerstandsfähiger gegen Schädlinge und Pilzkrankheiten, wenn der Wind durch sie fegen kann.

Tipps:

  • Im Winter abgeschnittene Wasserschosse (senkrechte Langtriebe) wachsen nach jedem Schnitt stark nach. Besser ist es daher, die nachwachsenden, noch schwachen Triebe im Sommer auszureißen (Juniriss). Die Wunden heilen in der Regel gut aus und es bilden sich - im Gegensatz zum Schnitt - keine neuen Wasserschosse, da der Astring mit entfernt wird.
  • Kein Baum sollte im Rasen stehen, hier herrscht sonst ein starker Konkurrenzdruck in der Versorgung. Jeder Baum sollte deshalb eine Baumscheibe haben.
  • Im Herbst und beim Austrieb (sowie bei strengem Frost = kälter als minus 10 Grad) sollten Obstbäume nicht geschnitten werden.
  • Gegen den Apfelwickler hilft im Juli Wellpappe um den Baum zu binden. Diese sollte alle 2 Woche gewechselt oder leer geklopft werden.

Der Kurs war sehr interessant und informativ.

Weitere Bilder befinden sich im Fotoalbum.