Fachberatung Stadtverband: Jahresabschluss im Verbandshaus (13.12.2019)
Zum Jahresabschluss hielt unser Gartenfreund Klaus-Dieter Lemm einen Vortrag über den Insektenrückgang, die Bedeutung der Insekten für das Ökosystem und was wir in unseren Schrebergärten gegen das Insektensterben - oft mit einfachen Mitteln - tun können.
Zu den häufigsten Insektenarten zählen Hautflügler (Wespen, Bienen, Ameisen), Zweiflügler (Fliegen, Mücken), Schmetterlinge, Käfer, Libellen, Wanzen, Schrecken, Flöhe und Läuse. Dagegen zählen z. B. Spinnen, Krebse, Würmer, Milben, Zecken und Hundertfüßler nicht zu den Insekten.
In Deutschland kommen etwa 30.000 Insektenarten vor; weltweit sind es über 1 Million. Damit sind Insekten die artenreichste Tierklasse überhaupt.
Eine große Bedeutung haben Insekten für unser Ökosystem; nicht nur weil sie eine wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere wie Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien sind. Sie sorgen auch für die Bestäubung und Fortbestand der meisten Pflanzenarten weltweit und sichern somit die Ernährung von Menschen und Tieren. Auch gegen die Ausbreitung schädlicher Insekten sind nützliche Insekten in der Landwirtschaft unerlässlich; so verzehrt die Larve der Florfliege bis zu 500 Blattläuse oder Milbe pro Entwicklungsphase.
Der Rückgang der Insekten ist nicht nur in Deutschland dramatisch. So ist die Biomasse an Fluginsekten in Nordwestdeutschland in nicht einmal 3 Jahrzehnten um über 75 Prozent zurückgegangen. Das kann jeder erkennen, der Auto fährt. War es noch in den 70-er oder 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts üblich, nach einer langen Autofahrt die Insektenleichen von der Frontscheibe abzukratzen, so ist dies seit vielen Jahren nicht mehr notwendig. Die Rote Liste der gefährdeten oder ausgestorbenen Insekten wächst dramatisch an. Eine (von vielen) Folgen ist, dass auch Vogelarten stark rückgängig sind, die während der Brutzeit auf die Ernährung von Insekten angewiesen sind.
Die Ursachen für das dramatische Insektensterben sind vielfältig: Anwendung zu vieler Pestizide, intensive Landwirtschaft, monotone Ackerflächen, Lebensraumzerstörung und natürlich auch der Klimawandel. In Deutschland werden jährlich 15.000 Tonnen Herbizide und fast 1.000 Tonnen Insektizide eingesetzt. Totalherbizide wie Glyphosat sind kein Pflanzenschutzmittel sondern Gift; es bekämpft nicht nur Unkräuter, sondern tötet alle Pflanzen.
Nicht nur die Politik (u. a. durch Reform der EU-Agrarpolitik, Prüfung der Pestizidzulassung und -anwendung), sondern jeder Einzelne kann etwas gegen das Insektensterben tun: durch Anlegung von Biotopen und Insektenweiden, Dachbegrünungen, Nisthilfen, kleinen Wasserstellen (gerne dreckig und schlammig), Verzicht auf Laubbläser (stattdessen Laub in die Beete kehren), Stauden erst im Frühjahr schneiden, torffrei gärtnern, Umwandlung von sterilen Rasenflächen in vielfältige Blumenwiesen und keine Steinwüsten (Schottergärten) schaffen. Der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel zählt übrigens nicht dazu, da deren Einsatz in Dortmunder Schrebergärten gemäß Satzung sowieso grundsätzlich verboten ist.
Nach dem engagierten Vortrag von Klaus-Dieter Lemm wurde Resümee über die Termine diese Jahres gezogen und über die neuen Fachberatungstermine 2020 informiert.
Der Abend endete mit einem kleinem Imbiss, einem gemütlichen Beisammensein und netten Gesprächen.