Fachberatung Stadtverband: Klimaveränderung im Garten (08.05.2020)
Leider musste die Fachberatung zum Thema "Klimaveränderung im Garten" wie alle anderen Vorträge wegen Corona ausfallen. Unsere Referentin Barbara Rupprecht-Junker war aber bereit, das für alle Gartenfreunde interessante Thema zu Papier zu bringen.
Bereits jetzt - Ende Juni - haben wir den ersten Tag mit Temperaturen über 30 Grad. Erschwerend kommt hinzu, dass im April und Mai 2020 nur ein Viertel der durchschnittlichen Niederschlagsmengen aus den Wolken auf uns niederregnete. In einigen Regionen gab es 8 Wochen lang so gut wie keinen Niederschlag. Ihr seht - das Thema ist brandaktuell.
Viel Vergnügen beim Lesen wünscht eure Fachberaterin Hanne Blomberg-Winden
Man braucht keine Klimadaten, um im Garten Folgendes zu beobachten: galt der Lavendel in den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts noch als heikel bezüglich seiner Winterhärte, so lassen sich heute Schopflavendel, Rosmarin, Feigen, Palmen, ja auch Oliven und Oleander fast problemlos nur ein wenig geschützt im Freiland oder Kübel überwintern. Die Winterhärte von Lavendel ist kein Thema mehr. Der Traum vom mediterranen Garten scheint in unseren nördlichen Gefilden wahr zu werden, sind diese Pflanzen an sommerliche Hitze gut angepasst.
Auch einige Sommerblumen wie Geranien, Europs und Osterosperma, die früher zuverlässig erfroren und so dem Gärtner im Frühjahr eine zuverlässige Einnahmequelle waren, überwintern zunehmend, sofern man nicht zur Weihnachtszeit etwas anderes als Sommerblumen im Wintermodus in seinem Pflanzgefäß sehen wollte.
Das heißt, die Pflanzenauswahl im Garten ist trotz Hitzesommer riesengroß, auch wenn man sich nicht in der Sicherheit wiegen sollte, dass es nie mehr kalte Winter bei uns geben wird. Nur 2 starke Spätfrostnächte im Mai dieses Jahres, die bis zu minus 6° C erreichten, genügten, um Frostschäden an Rosen, Kirschlorbeer und Kamelien zu hinterlassen.
Wer im Sommerurlaub in Spanien oder Italien sich jenseits der bewässerten Hotelanlage begeben hat, dem wird aufgefallen sein, dass im Sommer im mediterranen Raum praktisch alles, was staudenartig wächst, vertrocknet ist. Das ist die Kehrseite der Erwärmung: der Sommer wird heißer und trockener. Auch bei uns konnte man im letzten Jahr feststellen: wer seinen Rasen nicht bewässert hat, der hatte spätestens im Juli/August nur noch eine braune Fläche. Trost gibt es: selbst der nicht bewässerte Rasen war am Ende des Jahres wieder frisch grün. Der Rasen überdauerte im Boden in der Wurzel und hat auf besseres Wetter gewartet, um im Herbst wieder vollständig zu ergrünen.
So machen es auch die Frühsommerblüher: sie nutzen die winterliche Restfeuchte im Boden für Wachstum und Blüte (orientalischer Mohn, frühe Margeriten, Pfingstrosen). Nach der Blüte ist ihnen das Wetter egal, oder, wenn das Wetter gut verläuft, es also genügend Wasser und Dünger gibt, erfreuen uns Rittersporn, Steppensalbei und Glockenblumen nach einer Ruhephase mit einer zweiten Blüte im Spätsommer. Bei den frühjahrs- und frühsommerblühenden Stauden ist Wachstum und Blüte auch in Hitzesommern zuverlässig.
Danach wird’s kritisch: Sommerhitze und Wassermangel.
Ab 30° C leiden viele Pflanzen. Bambusblätter rollen sich ein, Herbstanemonen welken. Eine Weile halten sie die Hitze durch, irgendwann ist der Welkezeitpunkt überschritten und keine noch so große Wassergabe kann die Pflanze wieder zum Leben erwecken. Selbst bei ausreichender Wassergabe welken die Blüten der klassischen Bauernhortensie, die Blätter bekommen Verbrennungsschäden. Im lateinischen Name der Bauernhortensie, Hydrangea, versteckt sich das griechische Wort für Wasser. Die Bauernhortensie ist nicht in der Lage, dass Wasser so schnell in die Blüte zu transportieren, wie sie Wasser durch Verdunstung abgeben muss. Denken Sie bei Hydrangea immer an den Wasserhydranten! Auch Rosenblüten leiden, gerade solche mit weichen Blütenblättern: morgens erfreut man sich an der aufgehenden Knospe, mittags ist sie schon verblüht und mit der Nachblühte tun sich alle Rosen bei Hitze schwer. Sie sehnen sich nach einem klassischen deutschen, kühlen Regensommer.

Und wenn kein Regen kommt? Ein Besuch des Gartendesigners Piet Oudlof im Humelo in den Niederlanden im August 2018 zeigte völlig vertrocknete Staudenbeete mit einem eigentümlichen melancholischen Charme, den man eigentlich erst im Herbst verspüren möchte. Auf einer Führung in der von ihm entwickelten Staudenanlage im Maximilianpark in Hamm sagte er einmal, dass für ihn die Form und Textur der Pflanze wichtiger sei, als die Farbe. Die für einen Gartendesigner zunächst befremdliche Aussage bekommt im Vertrocknungsprozess der Staudenbeete tatsächlich eine bedeutsame Rolle. Vertrocknete Gräser und Blüten können eine ganz eigene Ästhetik vermitteln.

Es hilft aber auch ein Blick auf die Pflanze, um ein trockenheitsverträgliches Sortiment für den Garten auszuwählen: Pflanzen wie Sedum, Sempervivum und auch die Koniferen haben sich dicke Blätter mit einem Wachsüberzug zugelegt, womit die Verdunstung eingeschränkt werden soll. Nadelförmige Blätter von Tanne, Dill und Fenchel verraten, dass hier Wasser gespart werden soll. Hilft nicht immer: die vertrockneten Fichtenbestände, die nicht nur im Sauerland zu sehen sind, zeigen, dass Wachsüberzug und Verkleinerung der Blätter nichts nützt, wenn die Herkunft der Pflanze eine andere Genetik bestimmt hat.
Die kleinen Nadeln der Fichte waren gedacht als Energiesparmodus im Winter und auf kargen Böden. Dieser Modus hilft auch in trockenen Sommern, aber, wie man an den trockenen Fichtenbeständen sieht, nicht endlos. Auch Nadelbäume brauchen Wasser. Sie wurzeln dann bis in die tieferen Bodenschichten und holen sich von dort das Wasser. Der Fichte als Flachwurzler ist das leider nicht möglich.
Neben kleinen Blättern mit Wachsüberzug haben Pflanzen weitere Sonnenschutz -Techniken etabliert: Graulaubigkeit, wie bei Lavendel, reflektiert die Sonnenstrahlen. Auch feine Härchen bzw. ein filziger Belag auf den Blättern, wie bei vielen Rhododendronknospen sehen auf dem ersten Blick wie Pilzbefall aus, sind aber ein effektiver Sonnenschutz. Nebenbei filtern die Härchen wie z.B. bei der Königskerze kleinste Feuchtigkeitspartikel aus der Luft und tragen so zur Wasserversorgung der Pflanze bei.
Auch rotlaubige Pflanzen sind in der Regel sonnenverträglich, sind gerade die roten Farbpartikel in der Pflanze ein Sonnenschutz. Der rötliche Austrieb bei verschiedenen Rosensorten oder Glanzmispel schützt den jungen Austrieb vor zu starker Sonneneinstrahlung. Später, bei zunehmender Ausreife der Triebe vergrünen diese. Rote Heuchera Sorten, rote Salatsorten, rotlaubiger Perückenstrauch, Blutbuche behalten ihre rote Farbe den ganzen Sommer durch und gedeihen gut in sonnenverwöhnten Gartenecken. Zu schattig gepflanzt würden sie ihren Sonnenschutz aufgeben und vergrünen. Aber leider keine Regel ohne Ausnahme: Der rotlaubige, japanische Schlitzahorn will hell stehen, benötigt aber eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit, sonst werden die Blattränder braun. Aber auch hier gibt es Sortenunterschiede. Die Sorte „Bloodgood“ hat dickere, festere Blätter und ist somit besser gegen Trockenheit gerüstet.

Auch der heißeste Sommer geht irgendwann zu Ende. Einige Stauden scheinen darauf zu warten, dass die Tage endlich merkbar kürzer werden, die Temperatur insgesamt fällt, es tatsächlich wieder anfängt zu regnen, oder alle 3 Faktoren zusammenkommen.

Die Rosen erholen sich, wenn es kühler geworden ist, prächtig und blühen besser als im heißen Sommer. Gräser wie Chinaschilf stagnieren bei Hitze, um bei besserer Gelegenheit wieder weiter zu wachsen. Blütenstauden wie Raublattaster halten den Hitzesommer durch (raue Blätter = Verdunstungsschutz!), um ab August - September mit einem wahren Farbfeuerwerk die vertrockneten Sommerstauden vergessen zu machen. Auch kleinere Stauden wie die grasartige Liriope oder späte Funkien (Hosta tarda) und nicht zu vergessen die spätblühende Saxifraga fortuneii lassen auch an warmen Oktobertagen Sommerfeeling aufkommen.
Letztlich sind es nur 3 Monate, in denen das Wasser im Garten fehlen könnte. Sind alle Optionen der Pflanzenauswahl ausgenutzt: „kleine, rote oder graue Blätter mit Wachsüberzug“ und mag man sich nicht abfinden mit der Ästhetik des vertrockneten Staudengartens, muss Wasser her oder wenigstens Kühle oder am besten beides.
Das Zauberwort heißt Verdunstung und Verdunstungskälte. Wenn theoretisch in einer Steinwüste kein Wasser vorhanden ist, so kann auch nichts verdunsten und auch am Morgen wird kein Tautropfen, also kondensiertes Wasser zu finden sein. Wasser wird in der Erde und in Pflanzen gespeichert. Ist die Lufttemperatur wärmer als die Wassertemperatur, dann verdunstet Wasser – es entsteht die sogenannte Verdunstungskälte. Dieses Phänomen macht uns den Aufenthalt im Wald und an der See bei großer Hitze erträglicher.
Schon bei der Anlage des Gartens nimmt man Einfluss auf dessen Kleinklima. So sind unversiegelte Flächen von Vorteil, in denen das Wasser versickern und bei Wärme wieder aufsteigen und verdunsten kann. Der Laubbaum ist ein toller, saisonaler Schattenspender: lässt er im Winter Licht und Wärme durch, im Sommer bietet er Schatten. In den letzten Jahren waren große Bäumer eher unerwünscht – zu viel Laub im Herbst und zu viel Schatten im deutschen Regensommer und dann noch das Umfallrisiko bei starken Stürmen.
Im Hitzesommer könnte man sich den großen, alten Baum zurückwünschen, ist der Aufenthalt auf der Südterrasse ab mittags praktisch unmöglich geworden. Eine Schattierung muss her. Die Schattierung durch einen Baum bringt uns zwei Vorteile: zum einen die Luftdurchlässigkeit des Blätterdachs, welches die warme Luft nach oben steigen lässt und so einen Wärmeaustausch zulässt; zum anderen ist es die oben schon erwähnte Verdunstungskälte. Der Baum verdunstet Wasser, dabei entzieht er der Umgebung Wärme, die unmittelbare Umgebung kühlt ab. Der Laubbaum ist ein perfekter Wärmetauscher, welcher den Aufenthalt unter einem Baum bei extremer Hitze so angenehm macht. Unter einer herkömmlichen, dichten Markise, die auch leichten Regen abhalten soll, staut sich die Hitze, Abkühlung bringt sie nur bedingt. Es gibt aber auch Sonnensegel aus dickerem, luftdurchlässigem Gewebe, welches die heiße Luft aufsteigen lässt und so das Blätterdach des Baumes ein wenig imitiert. Dieses Segel ist schon gut, fehlt nur noch die Verdunstungskälte.

Somit kommen wir zum Wasser in seiner flüssigen Form. Wasser kann man nicht nur in der Erde oder in den Pflanzen speichern, nein, Wasser kann man auch sichtbar machen mit Hilfe eines Teichs oder Wasserspiels. Schon die Araber wussten, wie man durch geschickt platzierte Wasserbecken und -läufe die Hitze des Sommers erträglicher machen kann. Badeteich oder Wasserspiel, der Aufenthalt am Wasser in der sommerlichen Hitze wird immer ein angenehmer sein. Stichworte sind hier auch wieder Verdunstungskälte und Luftbewegung, hervorgerufen durch Temperaturunterschiede von Wasser und Luft.

Und wenn das alles nichts nützt: Entsiegelung des Bodens für die Wasserspeicherung, Pflanzen mit kleinen, roten oder grauen Blättern mit Wachsüberzug, Schattenspender Baum mit Wasserteich oder -spiel, Mulchdecke auf den Beeten auslegen ...... dann müssen wir doch notgedrungen irgendwann zum Wasserschlauch greifen.
Wässern tun wir, wie wir können. Macht es doch einen Unterschied, ob unser Stück Grabeland kilometerweit entfernt liegt und wir mit einem 270 Liter Regentonnenvorrat an Wasser auskommen müssen, oder ob wir smarthome-affin sind und nach einem Wettercheck am Heimatort mit einer entsprechenden App vom Urlaubsort aus die Bewässerungsanlage im heimatlichen Garten bedienen können. Wir könnten auch täglich alles ein bisschen gießen, solange bis es regnet. Diese Methode ist aber bei Gärtnern verpönt, da nicht zwingend genügend Wasser bis zur Wurzel vordringen kann. Die Pflanze ist gestresst, die dauernde Benetzung des Laubs könnte Pilzerkrankungen fördern.
Man könnte auch täglich abends nach Feierabend nur die schlappenden Notfälle an der Wurzel gießen, um dann irgendwann tatsächlich den Rasensprenger 2 Stunden am Stück laufen zu lassen. Danach hat man meistens erstmal für ein, zwei Tage Ruhe. Oh je, die Blumentöpfe müssten doch jeden Tag gegossen werden, vielleicht sogar zweimal am Tag, hängt von der Bepflanzung und vom Standort ab.
Die Gießoptionen sind so vielfältig, wie der Wasserbedarf im Garten und wie das Vermögen der Pflanzenfreunde ist.
Und letztendlich sind es ja nur die 3 „schönsten“ Monate im Garten, die es hitzetechnisch zu überbrücken gilt.
Barbara Rupprecht
Kontakt: rupprecht-junker@t-online.de
Nachdruck, auch in Teilen, nur mit Genehmigung der Autorin