Fachberatung Stadtverband: Mehr Ökologie im Kleingarten (08.11.2019)
Konsequenter Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz, chemische Düngung und Torf, Nisthilfen für Wildbienen und andere Insekten, Biotope, Natursteinmauern, Vogelnistkästen, Kompost, Mischkultur, Fruchtfolgen, Bodenbearbeitung, (alte) Sorten- und Standortwahl, aber auch mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto in den Garten fahren – ökologische Maßnahmen im Kleingarten können sehr vielfältig und unterschiedlich sein. Dabei muss nicht gleich ein Teich gegraben oder das Dach begrünt werden. Oft kann man schon mit wenig Aufwand seinen Garten ökologisch und nachhaltig bewirtschaften und viel für Artenvielfalt und Umwelt erreichen.
Gerade in Zeiten von Insektensterben, Klimawandel und städtebaulicher Verdichtung kann jede Kleingärtnerin und jeder Kleingärtner in seinem unmittelbaren Bereich Verantwortung übernehmen und zu einem lebenswerten Wohnumfeld in der Stadt beitragen.
Unser Referent Dipl.-Ing. Frank Gerber gab dazu viele Informationen, Tipps, Anregungen und Beispiele aus der Praxis, wie man seinen Kleingarten auf vielfältige Weise ökologisch aufwerten kann.
Der Einsatz von Herbiziden (Unkrautvernichtungsmittel) ist laut Satzung verboten. Die Anwendung von Insektiziden und Fungiziden ist nur in Ausnahmefällen zulässig. Die Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes sind in Schrebergärten einzuhalten.
Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf Wegen und Plätzen ist wegen des Wasserschutzes grundsätzlich nicht zugelassen. Auch Hausmittel wie Essig und Salz dürfen wegen fehlender Zulassung nicht eingesetzt werden. Erlaubt ist dagegen die thermische Bekämpfung des Unkrauts mittels sogenannter Unkrautbrenner und die mechanische Entfernung der Unkräuter mit einer Fugenbürste oder einem Fugenkratzer.
Laut Satzung sind die Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes einzuhalten. Er ist eine Kombination von umweltfreundlichen Maßnahmen (anbau- und kulturtechnische, biologische, biotechnische, pflanzenzüchterische und mechanische Maßnahmen), die vorrangig anwendet werden, um die Verwendung chemischer Pflanzenschutzmittel möglichst überflüssig zu machen.
Zu den Anbau- und kulturtechnische Maßnahmen zählen eine gute Bodenbeschaffenheit, hin und wieder eine Bodenanalyse, Fruchtwechsel, optimale Pflanzzeiten, organischer Dünger aus dem eigenen Kompost und nicht zu vergessen: richtiges Gießen.
Die bekanntesten biologischen Maßnahmen sind die Förderung und der Einsatz von Nützlingen (Vögel, Käfer und Larven. Florfliegen, Schwebfliegen, Marienkäfer und deren Larven). Damit Nützlinge schon zeitig im Garten sind, muss man ihnen das Überwintern im Garten erleichtern; dazu zählen nicht nur Insektenhotels, Insektentränken, Totholzhaufen und Trockenmauern, sondern auch das Liegenlassen von Verblühtem und Laub im Winter.
Bekannte biotechnische Maßnahmen sind gelbe Leimfallen zur Bekämpfung der Weiße Fliege, Pheromonfallen gegen den Apfelwickler und Wühlmausfallen gegen die ungeliebten Nagetiere.
Zu den pflanzenzüchterische Maßnahmen zählt der Kauf von robusten und widerstandsfähigen Sorten. So sollten als Obstbäume und Obststräucher nur regional bewährte Sorten im Fachmarkt gekauft werden. Hier ist die billige Ware im Baumarkt häufig nicht die richtige Wahl, da diese Waren meist nicht aus der Region kommen.
Zu den einfachsten mechanischen Maßnahmen zählt das Absammeln von Schädlingen wie Schnecken, Raupen und Kartoffelkäfern. Das Aufsammeln von madigem Obst (Äpfel, Pflaumen usw.) bekämpft unerwünschte Raupen und Würmer. Auch das regelmäßiges Entfernen kranker Pflanzenteile und Desinfizieren der Gartenwerkzeuge hilft als mechanische Maßnahme gegen unerwünschte Krankheiten.
Weitere ökologische Maßnahmen in Einzelgärten können sein:
- Verwendung von Jauche, Brühe, Auszug oder Tee
- mechanische Gartenpflege und mechanische und thermische Unkrautbekämpfung
- Verwendung von Schutznetzen und Leimringen
- Verwendung von Kompost und Gründüngung
- Verwendung von natürlichen Materialien
- Fassadenbegrünung
- oder einfach ein im Apfelbaum mit Stroh gefüllter und kopfüber aufgehängter Blumentopf für Ohrenkneifer
Ökologische Maßnahmen in der Gartenanlage können sein:
- Anlegen von Blumenwiesen
- Totholzhaufen
- Benjeshecken
- Streuobstwiesen
- Kräuterspiralen
- Vogelschutzstreifen
- Regenauffangbecken
- Feuchtbiotope
- Kopfbäume
- Lehrpfade
- Lehrgärten
- Infotafeln
- repräsentative Pflanzungen vor dem Vereinsheim oder im Eingangsbereich
- Pflanzen von Solitär- und Großbäumen zur Klimaverbesserung oder zur Beschattung von Spielplatzbereichen
Ökologisches Gärtnern fördert und mehrt die Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt.