Fachberatung Stadtverband: Nisthilfen (11.01.2019)

Bevor unser Referent Heribert Werner vom Stadtverband Dortmunder Gartenvereine auf Nisthilfen für Insekten einging, zählte er einige Eckdaten der am häufigsten vorkommenden Tiere dieser Welt auf: Zwei Drittel aller Tiere sind Insekten, sie leben bereits seit 370 Millionen Jahre und man kennt über 1 Million Arten. Zu den bekanntesten Insekten gehören Bienen, Wespen, Schmetterlinge, Käfer, Libellen, Fliegen, Mücken, Flöhe und Läuse. Spinnen, Asseln, Würmer, Zecken, Milben und Ohrwürmer sind dagegen keine Insekten.
Wir benötigen Insekten zum Bestäuben vieler Pflanzen. Insekten dienen vielen Tiere als Nahrung und sind für das gesamte Ökosystem notwendig.

Wir können Insekten durch vielfältige ökologische Maßnahmen helfen: durch Anlegen von Wildblumenwiesen, Erhalt von Bäumen, Vogelschutzgehölzen, Disteln, Brennnesseln und Brachflächen, Verzicht auf Spritzmittel, Anlegen von Totholzhaufen, Natursteinmauern und Nisthilfen. Wir helfen Insekten aber auch, indem im Spätherbst und Winter verblühte Sträucher nicht abgeschnitten werden, sondern für Insekten und Vögel stehen bleiben.

Beim Bau der Nisthilfen kann man aber auch vieles falsch machen: ungeeigneter Standort, ungeeignetes Bau- und Füllmaterial, falsche Lochdurchmesser und Lochtiefe, zu frisches Holz, ausgefranzte Löcher, giftiges Material und Holzschutzmittel.

Ein guter Standort sollte sonnig, trocken und windgeschützt sein, die Behausung sollte nach Süd bis Südost ausgerichtet sein, fest und nicht bodennah angebracht werden. Die Nisthilfe braucht ein Dach, am besten aus Reet oder Stroh, zum Schutz vor Regen. Die Einflugschneise sollte immer frei bleiben. Ein feinmaschiger (mit 3 cm Maschenweite) Hasendraht oder ein Kunststoffnetz an der Vorder- und Rückseite mit einem Abstand von 7 bis 10 Zentimeter schützt vor Feinden.

Das benutzte, entrindete Hartholz sollte gut durchgetrocknet (mindestens 2 Jahre) sein und sollte keine tiefen Risse aufweisen. Geeignete Holzarten sind z. B. Esche, Hainbuche, Eiche, Platane, Apfelbaum, Walnuss, Birne, Weißdorn oder Feldahorn. Die Holzscheiben sollten 20 bis 30 cm tief sein. Die gebohrten Löcher sollten mit einem Durchmesser zwischen 3 und 10 Millimeter (überwiegend 6 mm) in das Längsholz (nicht in das Stirnholz) gebohrt werden. Die Bohrgänge dürfen nicht zu dicht (größer 1 bis 2 cm) gesetzt werden, da das Holz sonst zu leicht reißt. Die Bohrtiefen entsprechen der jeweiligen Bohrerlänge. Das Holz darf dabei aber nicht durchbohrt werden, es muss also tief genug sein. Die Holzfasern sollten danach gut abgeschliffen werden.

Als Füllmaterial kann unbehandeltes Bambusrohr oder Schilf aus Deutschland verwendet werden. Materialien aus Fernost sind häufig mit Pestiziden behandelt.

Kunststoffröhrchen sind nicht atmungsaktiv, da sich hier leicht Schwitzwasser ansammelt und es zu Fäulnis und Pilzbefall kommt. Pappröhrchen sind dagegen geeignet, da sie atmungsaktiv und günstig in der Anschaffung sind.

Ytong-Steine, Porenbeton und Gasbeton sind für den Einsatz in Nisthilfen völlig ungeeignet. Auch hier entsteht sehr leicht Schimmel und Pilze aufgrund von Wasseransammlung. Ebenfalls ungeeignet ist Metall, Kunststoff oder Dachpappe.

Benutzter Lehm darf nicht zu hart sein, da Bienen hier nicht selber graben können.

Nisthilfen sollten viele Jahre ungestört am selben Ort belassen werden.