Fachberatung Stadtverband: Pflanzenschutz ohne Pestizide (09.12.2016)

Bei der letzten Fachberatung im Jahr 2016 stand der Pflanzenschutz im Vordergrund - und zwar so, wie es sich alle Bio-Gärtner wünschen: ohne Pestizide. Unser Referent Klaus-Dieter Kerpa von der Fa. Neudorff hielt seinen kurzweiligen, eineinhalbstündigen Vortrag in gewohnt souveräner, unterhaltsamer und kenntnisreicher Weise.

Sein Vortrag war ein hervorragendes Plädoyer für aktiven Umweltschutz - dazu gehört auch ein Verzicht auf torffreie Erde und ein bewusster Einsatz von Dünger.

Alle Teilnehmer erhielten von Herrn Kerpa Proben und Informationen aus dem Sortiment von Neudorff.

Nach notwendiger Erklärung und Unterscheidung der Begriffe Pestizide, Herbizide, Insektizide, Fungizide und Biozide sowie der Gesetze und Verordnungen lag sein Hauptaugenmerk auf dem "integrierten Pflanzenschutz". Hierbei werden verschiedene Verfahren unter vorrangiger Berücksichtigung biologischer, biotechnischer, pflanzenzüchterischer, mechanischer sowie anbau- und kulturtechnischer Maßnahmen angewandt, sodass die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß beschränkt wird.

Pestizide sind chemische Mittel, die lästige oder schädliche Lebewesen töten, vertreiben oder hemmen. Sie werden unterteilt in Pflanzenschutzmittel (zum Schutz von Pflanzen) und Biozide (zum Schutz der Gesundheit oder der Produkte des Menschen, z. B. Desinfektionsmittel, Rattengifte oder Holzschutzmittel).

Pflanzenschutzmittel werden wiederum u. a. unterteilt in

  • Bakterizide (gegen Bakterien),
  • Fungizide (gegen Pilze),
  • Herbizide (gegen Pflanzen),
  • Insektizide (gegen Schadinsekten),
  • Molluskizide (gegen Schnecken) und
  • Nematizide (gegen Fadenwürmer).

Der Einsatz von Herbiziden (Unkrautvernichtungsmittel) ist laut Satzung verboten. Die Anwendung von Insektiziden und Fungiziden ist nur in Ausnahmefällen zulässig. Die Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes sind in Schrebergärten einzuhalten.

Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf Wegen und Plätzen ist wegen des Wasserschutzes grundsätzlich nicht zugelassen. Auch Hausmittel wie Essig und Salz dürfen wegen fehlender Zulassung nicht eingesetzt werden. Erlaubt ist dagegen die thermische Bekämpfung des Unkrauts mittels sogenannter Unkrautbrenner und die mechanische Entfernung der Unkräuter mit einer Fugenbürste oder einem Fugenkratzer.

Integrierter Pflanzenschutz

Der integrierte Pflanzenschutz ist eine Kombination von umweltfreundlichen Maßnahmen, die vorrangig anwendet werden, um die Verwendung chemischer Pflanzenschutzmittel möglichst überflüssig zu machen. Wobei chemische Pflanzenschutzmittel nicht unbedingt mit der chemischen Keule gleichzusetzen sind. Pflanzenschutzmittel von Neudorff sind umweltschonend, weil sie überwiegend Wirkstoffe enthalten, die so auch in der Natur vorkommen.

Tipp: Herr Kerpa empfahl uns, nicht anwendungsfertige (Kennzeichnung AF) Produkte, sondern Konzentrate zu kaufen, da diese erheblich günstiger sind. Bei AF-Produkten bezahlt man auf gut Deutsch das Wasser mit.

Anbau- und kulturtechnische Maßnahmen

Der integrierte Pflanzenschutz beginnt bei den anbau- und kulturtechnischen Maßnahmen. Die widerstandsfähigsten Pflanzen wachsen dort, wo die Bodenbeschaffenheit gut bereitet ist - der Boden sollte nicht zu lehmhaltig sein und nicht zu Staunässe neigen. Außerdem sollte er nicht zu sauer oder zu kalkreich sein, nicht zu nährstoffarm, aber auch nicht überdüngt. Eine Bodenanalyse kann hier erkenntnisreich sein. Für einen guten Boden sorgt aber auch regelmäßiges Gießen.

Tipp: Der beste Dünger ist immer noch der organische Dünger aus dem eigenen Kompost.

Zu den weiteren Maßnahmen zählen Fruchtwechsel, richtiger Pflanzabstand, optimale Pflanzzeiten und z. B. ein gesunder Kompost.

Biologische Maßnahmen

Die bekanntesten biologischen Maßnahmen sind die Förderung und der Einsatz von Nützlingen. Hierzu zählen u. a. Vögel, Käfer und Larven. Florfliegen, Schwebfliegen, Marienkäfer und deren Larven fressen z. B. Blattläuse; Schlupfwespen die Weiße Fliege.

Damit Nützlinge schon zeitig im Garten sind, muss man ihnen das Überwintern im Garten erleichtern; dazu zählen nicht nur Insektenhotels, Insektentränken, Totholzhaufen und Trockenmauern, sondern auch das Liegenlassen von Verblühtem und Laub im Winter.

Biotechnische Maßnahmen

Hier kann sich der Gärtner als Fallensteller ausleben. Gelbe Leimfallen bekämpfen die Weiße Fliege, Pheromonfallen werden erfolgreich gegen den Apfelwickler eingesetzt, Wühlmausfallen bekämpfen die ungeliebten Nagetiere.

Tipp: Ein weißer Baumanstrich (Kalkdünger) im September schützt Obstbäume gegen Rindenriss, wenn es nachts friert und tagsüber die Sonne scheint.

Tipp (nicht ganz ernst gemeint): Bierfallen gegen Schnecken wirken am besten, wenn man sie beim Nachbarn im Garten aufstellt.

Pflanzenzüchterische Maßnahmen

Auch eine robuste und widerstandsfähige Sortenauswahl beim Kauf zählt dazu. So sollten als Obstbäume und Obststräucher nur regional bewährte Sorten im Fachmarkt gekauft werden. Hier ist die billige Ware im Baumarkt häufig nicht die richtige Wahl, da diese Waren meist nicht aus der Region kommen.

Tipp: Ein gutes Beispiel für robuste Pflanzen durch Züchtung sind z. B. die ADR-Rosen (siehe Fachberatung November 2016).

Mechanische Maßnahmen

Zu den einfachsten mechanischen (bzw. physikalischen) Maßnahmen zählt das Absammeln von Schädlingen wie Schnecken, Raupen und Kartoffelkäfern.

Tipp: Werft Rhabarberblätter zunächst nicht auf den Kompost, sondern legt sie auf den Boden. Schnecken werden diesen Ort aufsuchen, da sich dort ein ideales Klima entwickelt. Hier kann man täglich die Schnecken absammeln.

Das Aufsammeln von madigem Obst (Äpfel, Pflaumen usw.) bekämpft unerwünschte Raupen und Würmer.

Tipp: Dieses Obst sollte man, bevor man es auf den Kompost wirft, 1 bis 2 Tage in einem Wassereimer aufbewahren, damit die Raupen und Maden ertrinken und sich nicht im Kompost vermehren können.

Auch das regelmäßiges Entfernen kranker Pflanzenteile und Desinfizieren der Gartenwerkzeuge hilft als mechanische Maßnahme gegen unerwünschte Krankheiten.