Fachberatung Stadtverband: Rasen (10.02.2017)
Bei der Fachberatung im Februar 2017 stand das grüne Aushängeschild und der Stolz eines jeden Gärtners im Mittelpunkt: der Rasen. Dazu hatten wir den gelernten Landwirt und Fachberater für Boden Rüdiger Steeg von der Firma Oscorna als Referenten geladen. Total überrascht waren wir über die hohe Anzahl der Teilnehmer: über 80 Gartenfreunde kamen zu diesem interessanten, fast zweistündigen Vortrag.
Kräftig grün, dicht, belastbar und unkrautarm - so wünscht sich jeder Gärtner seinen Rasen. Dass dies nicht immer so ist, liegt an 7 Ursachen: zu viel Schatten, zu saurer Boden, Konkurrenz mit anderen Pflanzen, Bodenverdichtung, fehlende bedarfsgerechte Ernährung des Bodens (Düngermangel), fehlendes biologisches Verhältnis im Boden (Humusmangel) und - ungeduldige Gärtner!
Im Schrebergarten sollte zu viel Schatten zumeist kein gravierendes Problem sein; schließlich sollte jeder Gärtner bereits bei der Anlage seiner Parzelle darauf achten, welche Pflanzen viel Sonne mögen und welche nicht - und Rasen mag Sonne.
Dagegen können die anderen Ursachen für Rasenprobleme vom Gärtner positiv beeinflusst werden. Der ideale Boden für die meisten Pflanzen und auch für den Rasen ist leicht sauer bis neutral mit einem pH-Wert zwischen sechs und sieben. Ist der Boden dagegen zu sauer (niedriger ph-Wert), so kann sich das Moos gut ausbreiten. Den pH-Wert kann jeder leicht selbst ermitteln: mit einem pH-Bodentest aus dem Fachgeschäft (ca. 5 €) oder z. B. bei Scheiper Mühle oder durch eine aufwändigere Bodenanalyse bei der Landwirtschaftskammer NRW. Die Zugabe von Kalk erhöht zwar den ph-Wert des Bodens, holt dabei aber die letzten Reserven aus dem Boden und löst das eigentliche Problem nicht.
Die Konkurrenz mit anderen Pflanzen kennt jeder Gärtner, weil die Rasenränder meistens schlechter aussehen als die mittige Fläche. Die Ursache liegt meistens in benachbarten Pflanzen (z. B. Bäumen), die sich ihre Nahrung dadurch holen, indem sie ihre Wurzelausläufer unter den Rasen schieben. Abhilfe hilft hier ein größerer Abstand zum Rasen, indem z. B. die Baumscheibe vergrößert wird.
Zu stark verdichteter Boden vermindert bzw. verhindert die Versickerung des Regens und führt somit zu Staunässe und zu Verlust von Stickstoff im Boden. Dies führt wiederum zur Pilzbefall- und Unkrautvermehrung. Verdichteten Boden kann man z. B. daran erkennen, dass der Löwenzahl sich hier gerne niederlässt. Löwenzahn findet man selbst auf geteerten Flächen, nicht aber auf lockerem, gesundem Boden.
Düngermangel sollte ein Gärtner nicht durch mineralischen (anorganischen) Dünger (NPK-Dünger) beheben. Mineraldünger enthalten überwiegend Salze, die keiner Pflanze und keinem Boden gut tun. Salze zerstören die mikrobielle Aktivität des Bodens! Alle Gärtner sollten ausschließlich organischen Dünger benutzen. Der beste und günstigste organische Dünger ist der selbst erzeugte Kompost ("das Gold des Gärtners").
Humusmangel beeinträchtigt die Fruchtbarkeit des Bodens. Vor 150 Jahren betrug der Humusgehalt im Boden noch 15 %. Heute liegt der Humusgehalt meist nur noch bei 4,5 %. In einem humusarmen Boden befinden sich nur 15 Würmer pro Kubikmeter. In einem humusreichen Boden dagegen bis zu 600 Würmer. Da jeder Wurm ca. 20 g Humus pro Jahr erzeugt, erkennt man leicht, wie wichtig ein humusreicher Boden für die Fruchtbarkeit und Gesundheit des Bodens ist.
Eine Folge von den zuvor genannten Ursachen ist die Verbreitung von Unkräutern wie Weißklee und Moos im Rasen, da diese - im Gegensatz zum Rasen - auch mit Mangelböden zurechtkommen. Der Gärtner sollte sich jetzt nicht fragen, was er gegen die Unkräuter machen kann (z. B. durch Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln), sondern was er für den Boden machen kann. Sinnvoll ist also nicht die Bekämpfung der Unkräuter, Pilze und sonstigen unerwünschten Pflanzen, da dies die eigentlichen Ursachen nicht ändert. Sinn macht nur, für einen ph-neutralen, lockeren, humosen Boden zu sorgen, auf dem organisch gedüngter Rasen wächst.
Da ein gesunder Rasen nur auf einem gesunden Boden wächst, empfiehlt Rüdiger Steeg die regelmäßige Aufbereitung des Bodens mit Oscorna-BodenAktivator sowie die 3-malige Düngung des Rasens im Frühjahr, Sommer und Herbst mit einem natürlichen Rasendünger wie Oscorna-Rasaflor Rasendünger. Zur Düngung kann selbstverständlich auch Kompost genutzt werden.
Herr Steeg gab dann noch Tipps zur richtigen Rasenpflege: Der erste Schnitt sollte erst dann erfolgen, wenn der Rasen wächst – das ist meist Ende März bis April der Fall. Rasen wächst nur, wenn die Tagestemperaturen über 10 Grad und die Nachttemperaturen nicht unter 5 Grad liegen. Durch regelmäßiges und häufiges Mähen wird der Rasen immer dichter. Wenn dabei maximal 2 bis 3 cm abgeschnitten werden, braucht der Rasenschnitt als Mulchschicht im Sommer nicht aufgefangen zu werden, sondern kann liegen bleiben. Die Schnitthöhe sollte auf mindestens 4 cm, im Sommer sogar auf 5 bis 6 cm eingestellt werden. Die Messer des Rasenmähers sollten immer scharf sein. Der Schliff der Messer sollte durch einen Fachmann vorgenommen werden (z. B. durch die Fa. Rathke, Hagener Straße 199, 44229 Dortmund).
Der Rasen sollte selbst bei heißem Wetter nicht täglich, sondern nur einmal in der Woche möglichst morgens in der Frühe oder am frühen Abend (nie in der heißen Mittagssonne) ausgiebig gewässert werden (2 Kubikmeter Wasser auf 100 Quadratmeter Rasenfläche), damit die Rasenwurzeln in die Tiefe wachsen.
Bei einer Rasenneusaat muss die Fläche einen Monat lang immer feucht gehalten werden, damit die Saat aufgehen kann. Ideal sind dauerhafte Bodentemperaturen von mindestens 10 Grad; zu hohe Temperaturen in den Sommermonaten sind dagegen ungeeignet. Daher sind die Monate April/Mai oder der Herbst der beste Zeitpunkt für die Aussaat.
Eine Regenerierung von schadhaftem Rasen erfolgt am besten an einem einzigen Tag im April oder September. Dabei wird der Rasen zunächst sehr kurz gemäht (ca. 3 cm Schnitthöhe) und anschließend längs, quer und diagonal vertikutiert. Danach werden der BodenAktivator (20 kg pro 100 m²), der Rasendünger (10 kg pro 100 m²) und eine Nachsaat in guter Qualität auf die gesamte Fläche (nicht nur an den kahlen Stellen) aufgebracht. Auch die Nachsaat muss einen Monat lang immer feucht gehalten werden. Während dieser Zeit sollte der Rasen mit der größten Schnitthöhe und ohne Fangkorb gemäht werden.
Noch eine persönliche Bemerkung: Ich kenne Rüdiger Steeg bereits von mehreren Fachberatungen, die er in den letzten Jahren beim Stadtverband als Referent gehalten hat. Dabei überzeugte er nicht nur durch sein ausgeprägtes Fachwissen. Besonders angenehm waren seine Vorträge, weil er die Information - und nicht die Werbung für seine Firma, bei er seit über 15 Jahren arbeitet - in den Vordergrund stellt. Da ich die Produkte Oscorna BodenAktivator und Rasaflor Rasendünger selber seit einigen Jahren zu meiner vollen Zufriedenheit benutze, bin ich aus diesem Grund gerne bereit, sie an dieser Stelle beim Namen zu nennen.
Hanne Blomberg-Winden