Fachberatung Stadtverband: Vogelschutz im Gartenverein (12.07.2019)

Zu diesem Thema informierte uns Guido Bennen vom NABU ausführlich.

Da der Lebensraumverlust ein wichtiger Faktor für den Rückgang zahlreicher Vogelarten ist, ist der Arten- und Vogelschutz im Schrebergarten umso wichtiger, zumal die Fläche aller 119 Gartenvereine rund 400 ha beträgt. Weiteres Flächenpotential ergibt es sich durch Hausgärten, Grünanlagen usw.

In Gärten können vielfältige Biotope wie Teiche, Mauern, Hecken, Wiesen usw. geschaffen werden, die Ruhezonen, Nistplätze und zusätzliche Nahrungsangebote erzeugen.

Pflegearbeiten sollten an ökologische Prozesse ausgerichtet werden:

  • Es ist nützlich, wenn der sommerliche Heckenschnitt (Schnitt des jährlichen Zuwachs) aus Vogelschutzgründen erst ab Juli/August durchgeführt wird.
  • Mäharbeiten an Blumenwiesen sollten ebenfalls erst im Juli/August - also nach der Samenreife - erfolgen.
  • Samenstände der Pflanzen sollten nicht im Herbst, sondern erst im Februar/März entfernt werden, damit die Wintervögel sie nutzen können.
  • Der Boden sollte gemulcht und nicht klinisch gereinigt werden.

Zahlreiche Nisthilfen für Höhlenbrüter, Gebäudebrüter, Nischenbrüter und Freibrüter wurden vorgestellt. Für Bauanleitungen wurde auf Broschüren (Wohnen nach Maß für 2 €) und Internetseiten des NABU verwiesen.

Damit Vögel sich heimisch fühlen, werden entsprechende Pflanzen benötigt. Hier wurde eine Vielzahl heimischer Gehölze wie Heckenrose, Hartriegel, Efeu, Pfaffenhütchen, Liguster und heimischer Wildpflanzen und Stauden wie Nachtkerze, Natternkopf, Glockenblume, Königskerze, Eselsdistel u.v.m. vorgestellt.

Am Beispiel von Benjeshecken wird deutlich, dass Totholz zu den lebendigsten Lebensräumen zählt. Der Bau einer Benjeshecke ist mit wenig Aufwand möglich.

Viele Gärtner müssen noch lernen, dass Gärten nicht sauber geputzt werden müssen. Haare, Moos, Laub, Zweige, Halme und Lehm sind für Vögel als Nistmaterial sehr begehrt. Auch eine gewisse Unordnung im Herbst und Winter erleichtern das Überleben, so sollten Fruchtstände nicht abgeschnitten und Laub liegen gelassen werden.

Durch eine naturnahe Gartengestaltung kann jeder Gartenfreund mithelfen, zusätzlichen Lebensraum zu schaffen - nicht nur für Vögel, sondern auch für Säugetiere, Insekten, Amphibien und mit etwas Glück sogar Reptilien.

Einen "Naturgarten" anlegen heißt nicht, Unkraut wachsen zu lassen. Es geht vielmehr darum, den Garten mit Gestaltungselementen wie einem Teich, Vogeltränken und durch die Verwendung heimischer Pflanzenarten und Nistkästen anzureichern und somit auf begrenztem Raum eine große Vielfalt zu schaffen. Ein bunter Blumengarten zieht Insekten und Vögel magnetisch an.